Schwerer Saisonauftakt
Eutin- Rostock / 150 km am 3.12.06
Immerhin sechs Randonneure trafen
sich am 1. Advents - morgen um 10:00 Uhr bei gar nicht so schlechtem
Wetter, um zum Rostocker Weihnachtsmarkt zu fahren. Es soll der größte
in Norddeutschland sein.

Der Weg führte uns zunächst zur
Fähre von Travemünde nach Priwall, wo schon zwei weitere Fahrer, die
aus Richtung Hamburg kamen, auf uns warteten.

Die Luft war noch feucht vom Nebel
aber die Sonne kämpfte sich langsam durch.
Der Wetterbericht hatte Regen
angekündigt- doch der blieb bis zum Ziel fern.

Auch der Wind kam nicht aus der
angekündigten Richtung, sondern ziemlich oft und kräftig von vorne. Es
gibt einige lange Anstiege bis Wismar, da machte sich bei einigen die
lange Trainingspause seit „Hamburg- Berlin“ schon bemerkbar – der
Gegenwind tat sein übriges – zumal es ja auch viel zu einfach wäre,
wenn man gemeinsam gegen den Wind kämpfen würde.
Der errechnete Schnitt in Wismar
verbot dann auch eine längere Fischbrötchenpause, wenn wir den Zug um
17:07 Uhr bekommen wollten. (Er fährt nur alle zwei Stunden )
Eine Tanke wurde angefahren – ein
Bockwurstbrötchen mußte zur Stärkung reichen.
Ab hier wollte ich eine neue
Streckenvariante ausprobieren. Leider hatte ich die Wegbeschreibung zu
Hause liegen gelassen, Ortsnamen kann ich mir so wie so nicht merken
und so mußte mein fotografisches Gedächtnis ran. Es lief gut. Auch der
Wind kam jetzt nicht nur noch von vorne, manchmal schob er sogar ein
bißchen.

Errechnete Ankunftszeit in Rostock
konnte nun auf 16:30 Uhr festgelegt werden – der Besuch des
Weihnachtsmarktes rückte wieder in den Bereich des Möglichen.
Doch dann, ca. 15 km vor Rostock,
führte die Straße in Richtung Bad Doberan, also nicht in meine
gewünschte. Das Feld war mal wieder viel zu weit weg, um
zurückgepfiffen werden zu können und so akzeptierten wir die
unfreiwillige Stadtbesichtigung mit den Worten: „da wollten wir immer
schon mal hin“.
In Bad Doberan warteten die
anderen nicht, wie sonst üblich- daran war sicher der Wegweiser
„Rostock 16 km“ schuld. Der Zugfahrplan hatte wieder mal eine Stampede
ausgelöst. Zu zweit hasteten wir also hinterher, mit schweren Beinen
und mit einem langsam aufkommenden Hungerast. ( bei der Kalorienzufuhr
war der Umweg nicht eingeplant ). Die Hochrechnungen zur Ankunft am
Bahnhof liefen jedes Mal auf Null hinaus. Ich hoffte die anderen
hätten noch genug Zeit um Ticket und Verpflegung für die Rückfahrt zu
kaufen. Manchmal hoffte ich auch, wir würden den Zug verpassen und
könnten anschließend in Ruhe über den Weihnachtsmarkt schlendern -
unser eigentliches Ziel. Doch hat man erst einmal den Endspurt
angezogen, dann zieht man auch durch und holt noch die letzten
Reserven aus sich heraus. Durch Rostock zieht sich der Weg noch sehr
weit – die Richtung wird nach Intuition eingeschlagen. Zum Glück gibt
es keine Ampeln in Rostock! Ein Wegweiser sagt, noch 1,4 km – wir
haben noch knapp 5 Minuten. Am Ende erreichen wir den Zug doch noch 2
Minuten vor Abfahrt. Die anderen sind auch gerade erst angekommen,
deren Intuition hatte sie den Bahnhof von Süden her anfahren lassen
oder wurden von Anwohnern schlecht beraten. Zwei von uns haben es
nicht geschafft, haben den Bahnhof vielleicht nicht so schnell
gefunden oder wollten lieber noch den Weihnachtsmarkt besuchen.
Im Zug resümierten wir, dass so
ein Fahrplan- Endspurt doch eigentlich was schönes ist, wenn man es
geschafft hat.
Ansonsten ließ der Service der
Bahn mal wieder zu wünschen übrig. Überfüllung, Zigarettenqualm und
Alkohol, den man nicht selber genießt, wären nicht nötig gewesen und
auch auf die soziologischen Studien hätten wir gerne verzichtet.
Gerald Heiß
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